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2. Bundesliga – Spannung pur

Hannover 96 mit Regel-Frust und weiter in der Krise

Hannover – Marvin Bakalorz fand drastische Worte. «In dem Moment ist die Welt für mich zusammengebrochen, weil ich das nicht verstehen konnte», kommentierte der Kapitän von Hannover 96 fassungslos eine der bisher kuriosesten Anwendungen des Videobeweises.

Die Entscheidung von Schiedsrichter Martin Thomsen das Traumtor von Hannovers Marc Stendera zum vermeintlichen 2:2 gegen Darmstadt 98 kurz vor Spielende nicht anzuerkennen, weil der Unparteiische selbst den Ball berührt hatte, steht sinnbildlich für die aktuelle Lage des Bundesliga-Absteigers – und war richtig.

Der Schiedsrichter ist keine Luft mehr. Das heißt: Anders als früher läuft die Partie seit dieser Saison nicht mehr weiter, wenn der Ball den Unparteiischen berührt und danach ins Tor geht, dadurch der Ballbesitz wechselt oder ein Angriff gestartet wird. Nach einem Flankenversuch von Hannovers Genki Haraguchi sprang der Ball von einem Darmstädter Fuß an den Rücken von Thomsen und von dort Stendera vor die Füße.

«Regel hin oder her – Momentan kommt wirklich alles zusammen», ärgerte sich Bakalorz nach der misslungenen Premiere vom neuen 96-Trainer Kenan Kocak. «Ich würde mich schon freuen, wenn man den alten Fußball mal langsam zurückkriegt», sagte der 30-Jährige am späten Montagabend und fügte fast verzweifelt hinzu: «Nach so einem schönen Tor – das nimmt doch so viel Leidenschaft aus dem Fußball raus.»

Kocak wollte sich nicht ausführlich über die Situation beschweren, meinte aber, man müsse sich «natürlich Gedanken machen, ob diese Regel dem Sportsgeist entspricht.» Der 38-Jährige suchte die Gründe für die Niederlage zuallererst bei seinem Team und sprach von einem im ersten Durchgang zu mutlosen Auftritt. Auch mit Kocak schleppen die zu Hause immer noch sieglosen 96er ihre alten Probleme weiter mit durch die Saison.

«Wir kriegen zu einfache Tore. Das ist nicht erst seit gestern so», sagte der sichtlich angefressene Stürmer Hendrik Weydandt. «Das müssen wir abstellen.» Zudem agierten die Niedersachsen im gegnerischen Strafraum mal wieder viel zu harmlos. Nur 15 Treffer hat Hannover in 14 Zweitliga-Spielen bisher erzielt. Weniger hat keine andere Mannschaft.

Trotz Tabellenplatz 16 und zuletzt fünf Partien ohne Sieg will Weydandt nicht vom Abstiegskampf sprechen. «Ich denke, dass wir ein klares Ziel vor der Saison hatten und das hieß nicht Klassenerhalt, sondern eine so gut wie mögliche Saison zu spielen und so schnell wie möglich wieder aufzusteigen», sagte der 24-Jährige fast schon trotzig. «Es ist meiner Meinung nach nur ein kleines Rädchen in dieser Maschinerie, das klemmt.»

Dieses «Rädchen» zu finden und die Maschine ans Laufen zu kriegen, ist Kocaks Aufgabe in den nächsten Wochen. «Wir müssen arbeiten, arbeiten, arbeiten», sagte der Coach und sein Captain Bakalorz hofft: «Irgendwann ist da kein Schiedsrichter mehr, der im Weg steht.»

Fotocredits: Peter Steffen
(dpa)

(dpa)

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